Rohrbach
Zur Geschichte von Rohrbach bis zur Teilung des Landgerichts im Jahre 1601

(Auszug aus der Festschrift zum 100. Jubiläum des Gesangvereins „Eintracht Rohrbach“ von 1981 von Hans-Velten Heuson)

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts stiftete ein Grundherr namens Udalrich Güter in Rohrbach zu seinem Seelenheil an das Kloster Fulda. Das Stiftungsdatum ist uns nicht überliefert, weil die zur Verfügung stehenden Archivalien, Aufzeichnungen eines Fuldaer Mönchs, erst aus späterer Zeit stammen und weder Zeugen noch Datierungen beinhalten. Es wird allgemein angenommen, dass es der gleiche Udalrich ist, der 837 n. Chr. als Zeuge des genannten Klosters im Saalegau auftritt.  

Diese erste Nennung des Ortsnamens Rohrbach besagt natürlich nichts über das wirkliche Alter unseres Dorfes, das nach Aussage von Herrn Dr. Demandt, Lindheim, in die III. Siedlungsphase der Dorfgruppen um den Glauberg gehört. Hierzu führt er in seiner Arbeit „Die Ganerbschaft Lindheim in der Wetterau“, erschienen in: „Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 6. Bd., Marburg 1965“ eine Fülle von Begründungen an. Demandt unterscheidet für die fränkische Landnahmezeit zwei Schichten – heim Orte in unmittelbarer Nähe des Glaubergs.

Zur älteren zählt er Enzheim, Düdelsheim und das ausgegangene Bommersheim in der Gemarkung Hainchen, zu der jüngeren Schicht die drei anderen Lindheim, Stockheim und Heegheim.   In einer III. Siedlungsphase, die wohl in das 8. Jahrhundert reicht, entstehen in einem weiten Kreis um den fränkischen Festungsberg mit den auf ihn bezogenen „
heim-Orte“ die „bach-Orte“.

Herr Demandt nennt Himbach,
Calbach, Diebach a.H., Unterdiebach, Lorbach, Erbach, Rohrbach, Aulendiebach mit Katzendiebach, Bleichenbach, Wippenbach, Effolderbach und Rodenbach.

An diesen Kranz von „bach-Orten“ schließen sich Siedlungen an, deren Namen durch die Endung –hausen charakterisiert sind: Oppelshausen, Rommelhausen, Eckartshausen mit Niedernhausen, dem heutigen Marienborn, Orleshausen und etwas weiter im Norden Bobenhausen, Wallernhausen und Schwickartshausen.  

Zum Schutze er Reichsinteressen errichtet man im Bering der uralten Flieh- und Gauburg auf dem Glauberg die Reichsfeste Glauburg, deren Vorhandensein durch eine Urkunde aus dem Jahre 1247 verbürgt und deren Lage durch Grabungen einwandfrei festgestellt ist.   Nach der genannten Urkunde waren Ministerialien von Rohrbach, Büches, von Düdelsheim und von Bleichenbach Burgmannen auf der Reichsburg Glauberg. Das Siegel der Urkunde stellt ein von Zinnen bekröntes Tor mit 2 Seitentürmen und dem Abbild eines gekrönten Mannes dar, welcher in der Linken das Zepter, in der Rechten das Schwert trägt. Die Umschrift des Siegels lautet:

S (IGILLVM).IMP (ER) II.SACRI CASTRENSIVM.DE.GLOVBVRGH+

Wann die Reichsburg auf dem Glauberg eingegangen ist, weiß man nicht. Die Sage hat sich mittlerweile des Berges angenommen.   Im Schutze der mächtigen Bergfeste entstand sicherlich schon sehr früh an der linken Nidderstrasse ein Gotteshaus, das man dem heiligen Martin weihte. Er gehörte zu den bedeutendsten Heiligen der frühen fränkisch-merowingischen Kirche und gilt schlichtweg als Ausdruck des siegreichen christianisierten Frankentums. Sein Patrozinium kommt neben dem des Heiligen Remigius in den eroberten Gebieten des 7. und 8. Jahrhunderts am häufigsten vor.  

Aus dem Vorhandensein des Martinpatroziniums für die Glauberger Kirche und des Remigiuspatroziniums für die Büdinger Pfarrkirche schließen wir, daß das gesamte Umland des Glaubergs ursprünglich Königsland gewesen ist, das wohl mit der Wildbannverleihung im 11. Jahrhundert and die Herren Hartmann, die Vorgänger der Herren von Büdingen, gelangt ist. Die Wildbann – das Gebiet zwischen Kinzig und Nidder, hohem Vogelsberg und römischem Grenzwall (zwischen Altenstadt und Selbold) – ist der Ausgangspunkt der späteren Herrschaft bzw. Grafschaft Büdingen.  

Dieses Herrschaftsgebiet war einheitlich organisiert. In den zentralen Gerichtsorten standen auch die Mutterkirchen der Kirchsprengel. Zur Mutterkirche nach Glauberg waren alle Gerichtsorte eingepfarrt. Ebenso war das in Büdingen, Floßbach, Gedern und auch in Gründau. Wir beobachten auch, daß alle Gerichtssprengel eine Burg hatten. Als man im 12. Jahrhundert die später sicher mächtige Burg Ortenberg errichtete und die Pfarrkirche St. Martin in Glauberg mit all ihren Filialkapellen in das Kloster Konradsdorf einbrachte, änderte man an der Organisation nichts, man verlegte nur die Zentralorte.

Rohrbach gehörte von jeher in das Gericht Glauberg/Ortenberg. Dieses Gericht machte mit dem Gericht Staden die alte
Herrschaft Ortenberg aus.

Im Jahre
1166 kommt ein Werner und 1176 ein Heinrich von Ortenberg vor, woraus geschlossen werden muß, daß damals bereits die Burg Ortenberg bestand. Diese beiden Herren gehörten dem edelfreien Geschlecht der Herren von Büdingen an.

Als das Büdinger Geschlecht mit Gerlach II. vor 1247 erlosch, ging der Ortenberger Besitz auf mehrere erbberechtigte Geschlechter über. Das Gericht muß also vorher bereits an die Büdinger gelangt sein, die nun ¾ davon weitervererben konnten.

Das andere Viertel war bereits vorher an das Haus Ysenburg gelangt. Unter den Erben erscheint zunächst Rosemann von Kempenich als Schwiegersohn Gerlach II. dann aber kamen auch die übrigen Büdingischen Erben in Ukunden vor: Die Herren von Breuberg, von Trimberg und von Hohenlohe-Brauneck. Das ysenburgische Viertel wurde um 1250 geteilt unter den beiden Linien Ysenburg-Grensau und Ysenburg-Limburg. Das limburgische Achtel kam 1275 an das Haus Nassau und im 15. Jahrhundert an die Herren von Eppstein. Der andere ysenburgische Teil verblieb als „erbachtiger Teil“ dem Hause Ysenburg bis zur Auflösung des Gerichts im Jahre 1601.  

Rosemann von Kempenich schied bald kinderlos aus der Erbschaft aus, so dass die Häuser Hohenlohe-Brauneck, Trimberg und Breuberg je ein Viertel an Burg, Stadt und Gericht Ortenberg besaßen. Bald teilte sich das Haus Breuberg in zwei Äste, so dass auch diese je ein Achtel hatten. Um 1300 waren 6 Familien am Gericht beteiligt: Breuberg, Trimberg, Brauneck, Ysenburg und Nassau.

Durch Kauf, Tausch und Verpfändung wechselten im Gericht ständig die Herrschaftsverhältnisse. Deshalb teilte man nach langem Hin und Her 1601 das Gericht. Dabei wurde Rohrbach, Düdelsheim mit Oberdorf, Stockheim und Leustadt, 1/6 von Effolderbach sowie Teile von Calbach, Orleshausen und Aulendiebach den Grafen von Ysenburg Büdingen zugewiesen, die in Rohrbach schon am Ende des 14. Jahrhunderts ein Rugegericht als niedere Gerichtsherren hatten. Das ysenburgische Drittel am alten Landgericht kam infolge der Abmachungen des Wiener Kongresses 1816 an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. 

Nach Rohrbach benannte sich im Mittelalter ein niederadeliges Geschlecht, das 1219 erstmals in einer Urkunde genannt wird. Rucker von Rohrbach bezeugt damals als Burgmann der Burg Büdingen mit seinem Herren eine Güterschenkung im Gericht Gründau zugunsten des Klosters Haina.

Die Dorfherrschaft hatten die von Rohrbach anfangs von den Herren von Büdingen nach deren Aussterben zur einen Hälfte von den Herren von Hohenlohe-Brauneck und zur anderen von den Herren von Ysenburg inne. Sie hatten im Ort von alters her eigenen Grundbesitz, der frei und unbeschwert war, dazu Einnahmen aus dem Rugegericht und den festen Hofplatz, der im 15. Jahrhundert an die Herren von Cleen gelangt war. Am 31. Mai des Jahres 1441 vertauschten Henne von Cleen und seine Frau Getzel ihren „Wall zu Rohrbach, auf dem ein steinernes Haus stehe, und den Graben darum an Diether von Ysenburg Herrn zu Büdingen für dessen Weiher und Garten zu Staden vor dem Schloß beim süßen Born, in der Nähe von Mockstadt“. 

Wir ersehen aus dieser Urkunde, dass im Dorf eine feste Wasserburg der
Herren von Rohrbach gestanden hat, die wir uns in der Art der Altenburg zu Schotten vorzustellen haben. Wo die Burg Rohrbach einst gestanden hat, wissen wir nicht. Wir vermuten sie aber in der Nähe des Rathauses, wo vor Jahren Herr Lutsch stauferzeitliche „Birnentöpfe“ im Erdreich gefunden hat.

Bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts waren die
Herren von Rohrbach mit vielen Rittern und anderen niederadligen Familien der Umgegend verwandt.

In der Gütergeschichte des Dorfes kommt das deutlich zum Ausdruck.

Bereits
1265 übergaben der Ritter Hartmann von Büches und seine Ehefrau Agnes dem Kloster Haina zu ihrem Seelenheil eine Hufe Land in Rohrbach samt Zubehör und verkaufen dem genannten Kloster eine zweite Hufe Landes ebenfalls in Rohrbach für 10 Mark. Für sie verbürgen sich bei diesem Rechtsgeschäft: Ritter Eberwein Löw und Herdegen von Büches.

1278 stiftete ein Gerlach von Rohrbach zum Jahrgedächtnis seiner verstorbenen Frau dem Kloster Marienborn jährlich 2 Achtel Korn von seinen Gütern in Glauberg. Dieser Stiftung folgt zwei Jahre später eine weitere in Höhe von 2 Achteln Korn von Gütern in Rohrbach. Im 14. Jahrhundert gelangen durch ähnliche Stiftungen von Adligen und von Bauersleuten eine Reihe Güter und Berechtigungen an die umliegenden Klöster in Konradsdorf, Marienborn und Engelthal und im 15. Jahrhundert noch Hirzenhain. 1381 belasten Werner Lesch und seine Ehefrau Gela „ihr Haus und Gut gelegen bey der Linden zu Rohrbach, und heist der Meuttgen Gutt“.

1386 überlassen Rucker von Rohrbach und sein Sohn Gerlach, beide Edelknechte, Herrn Johann von Ysenburg und seiner Gemahlin Sophie ihre Hälfte von Rohrbach und Hettersroth.

Diesem Akt waren jahrelange Streitigkeiten um Abgaben und Berechtigungen zwischen dem Lehensherrn und den Lehensträgern vorausgegangen. Dieser Verzicht beendigte die einstige Dorfherrschaft deren von Rohrbach und gab sie, vorerst zur Hälfte an die von Ysenburg zurück.

Einzelne Glieder der adligen Familie waren bereits im 13. und 14. Jahrhundert in den Dienst benachbarter Herren getreten. So ist ein
Johann von Rohrbach „commendator“ der Johanniter in Nidda (1268), Erwin steht zu Beginn des 14. Jahrhunderts im Dienste der Herren von Hanau, 1335 ist ein Theoderich (Dietrich) Propst zu Weilburg, 1335 ein anderer Johann ebenfalls Johanniter in Nidda, 1343 ein Dietrich Burgmann in Friedberg, ein Winther von Rohrbach Burgmann auf der Ronneburg, 1358 ist ein Erwin von Rohrbach Pfarrer in Rendel, der wenige Jahre später als Kanoniker des Stifts zu Aschaffenburg vorkommt und ein Bruder des langjährigen erzbischöflichen Hofmarschalls Dietrich von Rohrbach war.

1361 ist Winther von Rohrbach Schultheiß der freien Reichsstadt Frankfurt, und dass zu Beginn des 16. Jahrhunderts Guta von Rohrbach Seelmeisterin und Priorin im ysenburgischen Hauskloster Marienborn war, sei nur noch am Rande vermerkt.

1450 erwarb Graft Diether von Ysenburg auch die brauneckische Hälfte des Dorfes Rohrbach von Siegfried von Rheinberg und seiner Ehefrau Gude für 300 fl (Florentiner Gulden). Damit war das gesamte Dorf mit all seinen Nutzungen und Rechten im Besitz des Büdinger Grafenhauses.

Am Beispiel Rohrbach wird deutlich, wie bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Büdinger Herrschaft bemüht ist, den niederen Adel in den Dorfschaften auszuschalten, seine Rechte und Privilegien zu erwerben, um sie dem entstehenden Territorialstaat einzuverleiben. Mit dem Erwerb des Braunecker Teils von Rohrbach erwirbt Graf Diether von Ysenburg auch das Patronat über die St. Nikolauskirche zu Rohrbach, das nun seit 531 Jahren dem Hause Ysenburg zusteht. Abhängige Kapellen waren damals die St. Peterskapelle in Stockheim und die St. Gehülfs oder Nothelfer-Kapelle zu Aulendiebach. Über das Alter der Nikolauskirche können wir keine Aussage machen. Das Patrozinium scheint aber in das 11. Jahrhundert zu weisen. Der heilige Nikolaus war Bischof von Myra.

Er lebte zur Zeit des Konzils von Nicäa und starb, wie es scheint, um 350. Näheres ist aus seinem Leben nicht bekannt. Was darüber erzählt wird, ist Legende. Seine Verehrung ist im Osten schon im 6. Jahrhundert bezeugt, im Westen im 9., zuerst in Rom und Süditalien, nördlich der Alpen setzt seine Verehrung um das Jahr 1000 ein. Im ausgehenden 11. Jahrhundert zählt er bei uns in Deutschland zu den am meisten verehrten Heiligen. Sein Patronstag ist der 6. Dezember. An diesem Tag wurde wohl auch früher die Rohrbacher Kirchweih gehalten, bis man sie sicherlich des Wetters wegen in die wärmere So mmerzeit verlegte.

Der letzte Rest der einstigen Kirche dürfte ein steinerner Widderkopf sein, der bis vor wenigen Jahren, efeuumrankt, auf der Pfarrhofmauer lag und sich nun im Lipidarium des Büdinger Schlosses befindet. 1820 wurde das alte Gotteshaus abgebrochen, um dem heutigen Kirchbau Platz zu machen. 1956 schrieb Pfarrer Türk zum damaligen Jubiläum des Gesangvereins, dass man die Grabsteine, der in der Kirche bestatteten Geistlichen, als Stufen für die lange Treppe benutzt habe. 1821 – von nun-mehr 160 Jahren wurde die neue Kirche eingeweiht. Die Schlussrechnung zeigt einen Ausgabenkatalog für Materialien und Lohnkosten in Höhe von 9593 Gulden und 22 Kreuzer.

Interessant sind die Namen der auswärtigen Handwerker und Geschäftsleute, die am Bau des Gotteshauses mitwirkten: Die 6 Säulen, ein Geschenk der Nachbargemeinden, drehte der Ortenberger Mühlarztmeister Jakob Emmrich, die Steindeckerarbeiten verrichtete der Steindecker Stoffel Schmidt, Steinhauerarbeiten und Fenstergewände Heinrich Meyer aus Büdingen. Treppensteine lieferte Georg Engel aus Ortenberg, Zimmerarbeiten stammen von Johannes Rückert und einem Fritz Johannes, die Schreinerarbeiten sind von Christoph Metzler aus Aulendiebach ausgeführt worden. Glaserarbeiten leistete Joh. Gg. Wagner von Friedberg, Schlosserarbeiten stammen von Ferdinand Weigand aus Büdingen, die Weißbinderarbeiten von einem Justus Köbler.

Die Wirtsrechnung beim Kirchenbau weist bei Wirt Nauman einmal einen Betrag von 98 Gulden und 15 Kreuzern aus und dann noch einmal einen Betrag für Brot und Branntwein von 53 Gulden und 37 Kreuzern. Die Tücher und Bänder für die Zimmerleute werden bei Joseph Oppenheimer gekauft, die Düdelsheimer Musikgesellschaft erhält für ihr Aufspielen 5 Gulden und 30 Kreuzer. 1821 erhält der Orgelbauer Homburg für das Aufstellen des Instrumentes 58 Gulden und 20 Kreuzer.  

Dr. Dr. Diehl, langjähriger Prälat der evangelischen Kirche in Hessen, veröffentlichte 1931 im Selbstverlag das „Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Landgrafschaft Hessen Darmstadt“. Zu der alten Rohrbacher Kirche sagt er auf Seite 514: „Zu Anfang des 19. Jahrhunderts ward die Kirche baufällig. Da sie auch „für die in dieselbe sich versammelnde Gemeinde zu klein“ war, wurde im Jahre 1818 dem Plan der Errichtung eines Kirchenneubaus nähergetreten.

In einem vom 18. Februar 1818 datierten Bericht des Büdinger Konsistoriums wird über den Zustand, in dem sich das Gotteshaus damals befand, folgendes mitgeteilt: „Die fragliche Kirche, deren Erbauung in die Zeiten des grauesten Alterthums zurückfällt und welche eher einer Scheuer als einem Gotteshaus ähnlich sieht, ist rücksichtlich ihrer Umfassungsmauern, welche nach der Bauart jenes Zeitalters an den in- und auswendigen Flächen mit Kalch aufgemauert, dazwischen aber mit losliegenden und in keiner Verbindung stehenden Steinen ausgefüllt sind, an mehreren Stellen bedeutend schadhaft. Welcher Umstand es unmöglich macht, dass diese Kirche durch etwaiges Heraussetzen der beiden Mauern längs den langen Seiten vergrößert werden könnte. Das Dachwerk ist in neueren Zeiten worden und im Ganzen noch so gut im Stand, dass man die Materialien an demselben gut benutzen könnte.  

... Diese Kirche ist im Lichten 57 Fuß lang und breit im Lichten 14 ½ Fuß, dagegen hoch 18 Fuß.“ Das sind nach unseren heutigen Maßen ca. 19 m Länge und 4,6 m Breite bei einer Höhe von 6 m. Das Verhältnis von Länge zur Breite dürfte im Kirchenbauwesen unserer Landschaft im weitesten Sinne ein Kuriosum sein, und lässt sich wohl nur so erklären, dass eine ursprünglich kleine Kapelle durch späteres Verlängern diese Gestalt erhielt.  

Der Turm der alten Kirche mag nicht besonders groß gewesen sein, denn Nikolaus Flach von Aulendiebach erhielt im Mai 1820 nur 2 Gulden für die Abbrucharbeiten. 

Am 1. Mai 1820 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt, die nach den Plänen des Hofkammerats Hofmann gebaut wurde. Bereits am 31. Oktober konnte der Neubau geweiht werden. Lobend wird immer wieder der Einsatz und die Bereitschaft der Bürger erwähnt, welche die Baumaterialien heranschafften.

Die Einführung der lutherischen Reformation fand in Rohrbach zwischen 1544 und 1548 statt. Als der Geistliche 1550 anläßlich einer Mainzer Visitation seinen Eid „bei Gott und dem Heiligen“ leisten sollte, verweigerte er diesen.
 
(Auszug aus der Festschrift zum 40. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr und 100. Jubiläum der Pflichtfeuerwehr von 1992 von Hans-Velten Heuson)

In der Festschrift des Gesangvereins Rohrbach (1981) habe ich versucht, die Gründung des Dorfes Rohrbach darzustellen und darüber hinaus von den früheren Ortsherren, den
Herren von Rohrbach, und der Kirche berichtet. Mein Bericht endete damals mit einem Hinweis auf die Schule und ihren ersten Schulmeister. 

Heute möchte ich mich ganz besonders mit der Schulgeschichte, der landwirtschaftlichen Statistik im ersten Viertel unseres Jahrhunderts und den Wahlergebnissen zwischen 1873 und heute beschäftigen. Prälat D.Dr.Dr. W. Diehl schreibt in der Hassia sacra Bd. XII in der Bearbeitung von Professor Praetorius 1951 auf Seite 251 über die Schule und ihre Lehrer von Rohrbach: 

„1577 wollte die Gemeinde Rohrbach einen gelehrten Glöckner, der neben seinem Glockenamt die Jugend daselbst mit allem, Schreiben, Lesen, Singen, Gottesfurcht, Beten, Zucht etc., lernte“ (später ist auch vom Rechnen die Rede), mit dem Erfolg, dass 1581 nach ihrem Vorschlag der Sohn des verstorbenen Pfarrers Georg Kuhn, Glöckner und Lehrer wurde. Seitdem besteht die Schule in Rohrbach.

Sie war mindestens 1628 mit einem Theologen besetzt. 1630 war ein damals schon schadhaftes Schulhaus da. Die Rohrbacher Schule wurde auch von den Kindern aus Aulendiebach besucht, wo bis 1798 nur Winterschule war, sowie aus Büches bis 1750. 1835 war die Schülerzahl 66; das Gehalt betrug 1835: 152 fl., 1859: 268 fl. (Gulden).“

Die nun folgende Auflistung der Lehrer führe ich später auf. 

In den erhaltenen Gemeinderechnungsbücher (Stadtarchiv Büdingen, Stadtteil Rohrbach Abt. XV.) erscheinen die ersten Ausgaben für Schule und Schulhofreite 1765. Damals erhält Johannes Umbach „vor Spän“ (Spanndienste) 20 Albus, der Steinhauer Johannes Wiedersum (aus Büdingen) „vor gehauene Platten und Stein zur Schulscheuer“ 1 fl. und 20 Albus. Gleichfalls zahlt die Gemeindekasse für einen steinernen Schweinetrog und für eine (Futter-) Krippe in den Schulstall dem Zimmermann Pistor (aus Büdingen) 1 fl. (Gulden). 

1769 wird das Schulhaus einer grundlegenden Reparatur unterzogen, wofür Meister Preußler 2 Gulden und 8 Albus bekommt. Aus der Rechnung geht hervor, daß die Schulscheuer 1764 erbaut worden ist. 1782 verrechnet die Gemeinde größere Summen mit dem Zimmermann Grasmick, dem Zimmermann Rückert und dem Kaufmann May in Büdingen für Arbeiten am Schulstall und der „Pfarr- und Schuldörr“ und eine eiserne Platte in das Schulhaus. 1785 muß der Ziegler Tischler 325 Ziegel, 100 gebrannte Steine und 10 Firstziegel zur Schuldörre liefern. 

In den folgenden Jahrzehnten bis zum Jahre 1900 wiederholen sich die Ausgaben für Schule, Schulhaus und Schulhofreite. Auffallend ist, daß die meisten Handwerker aus Büdingen, Ortenberg, Düdelsheim und Bleichenbach kommen, die Zimmerleute aber immer wieder aus Rohrbach selbst. 

1878 erbaute die Gemeinde einen neuen Schulsaal und gibt hierfür 5730,14 Mark aus, und nur wenige Jahre später wird die Lehrerwohnung erbaut, für die 7876,87 Mark verrechnet werden. Aber auch Ausgaben, die dem Unterricht zugute kamen, wurden über die Gemeindekasse beglichen.

So ließ der Lehrer 1786 bei Buchbinder Kahl in Büdingen eine Schulvorschrift für 1 fl. binden. Die nächste Bindearbeit finden wir in den Rechnungen von 1816, denn nun waren die Rohrbacher ja mit dem alten Ysenburger Land großherzoglich geworden. 1817 wird sogar eine Einheitstafel angeschafft, die 1854 durch eine neue ersetzt werden mußte. Aber zur Aufbewahrung von Büchern wird im gleichen Jahr endlich ein Schrank bei Schreiner Heilmann in Büches für 6 fl. und 40 Kreuzer gekauft.

Das Buch: „Hessische Schulstatistik, ein Auskunftsbuch über die Orts- und Schulverhältnisse sämtlicher Gemeinden im Großherzogtum Hessen“, Gießen, Emil Roth, 1910 sagt auf Seite 190 über Rohrbach: 

„Rohrbach, 347 ev., 60 israelische Einwohner, in hügeliger Gegend, 3 km vom Wald, 5 km von Büdingen (Gymnasium, höh. Töchterschule, Apotheke), von Station Bleichenbach (Gießen – Gelnhausen) 2 km, von Station Büches 3 km, passende Züge; von Postagentur Düdelsheim (Arzt) 3 km, 9 ½ Uhr morgens Postwagen nach Rohrbach; in Rohrbach ev. Pfarrei, Ackerbau, Viehzucht, Handel, einige recht wohlhabende Bauern, meist Mittelstand; 127 ha Gemeindebesitz, Gemeindeumlage 81 vom Hundert.

Schule: Einklassig – 61 Schüler, 2 Stunden Handarbeit je 35 Mark. Der Schulsaal 1878 erbaut, recht hell und groß; nicht unterkellert, in ruhiger Lage. – Fortbildungsschule eine Klasse 12 Schüler, 4 Stunden von 2 – 4 Uhr, zusammen 90 Mark. Präsentation: Fürst von Ysenburg-Büdingen in Büdingen. Schulfrei: Kirchweih-Montag, 2 Tage Ortenberger Markt und 1 Hageltag am Mittwoch nach Pfingsten (Gottesdienst).

Die Dienstwohnung ziemlich hoch gelegen, am Steilhang eines Hügels, dem Saal schräg gegenüber, in sehr ruhiger Lage 1894 erbaut; von 6 Zimmern 5 heizbar; 5 Zimmer ziemlich klein; von den 3 unteren das größere nicht unterkellert, von den 3 oberen 2 mit schiefen Wänden; Küche mit Vorratskammer; Abschluß; Haus nur vom Lehrer genutzt; Wasser aus dem 60 m entfernten Gemeindebrunnen; Waschküche und Holzschuppen am Saal der Wohnung gegenüber; 1170 qm Hausgarten.

Organistendienst: zu spielen jeden Sonntag 2 mal, 200 Mark; Vorlesedienst jeden Sonntag einmal ohne Vergütung.

Schulgut: 1,2 ha Acker, 73 a Wiesen. – Gemeindenutzen 48 Mark.“

Als Lehrer wirkten in Rohrbach:

1581 – 1596 Georg Kuhn aus Rohrbach
1621 – 1625 Damian Pilipp Blum, ein welcher Schulmeister
1625 – 1626 Heinrich Filmer/Firner (?)
1628 Daniel Dautzard aus Büdingen, er sollte dem „baufälligen Pfarrherrn“ auf Verlangen im Predigen helfen
1629 – 1670 Hans Mey, beantragte 1630 Ausbesserung des Schulhauses, klagte 1654 über die Aulendiebacher, die ihm nichts geben wollen, da sie nach Büdingen gehörten.
1670 – 16.. Konrad Fröhlich aus Unterhessen
1676 Johann Kaspar
1680 – 1690 Johann Hermann Hase
1690 – 1692 Philipp Wilhelmi
1693 Johann Böcker
1694 – 1699 Johann Jost (Becker) Bubber (?)
um 1700 Jakob Blum
1703 – 1753 Johann Kaspar Mohr (+8.4.1753 – alt 76 Jahre)
1702 – 1766 Joh. Jakob Sorberger, wandert nach Russland aus
1766 – 1798 Johann Konrad Hirchenhain aus Haingründau
1798 – 1810 Friedrich Kauß aus Düdelsheim
1810 – 1857 Heinrich Kauß (Sohn des vorgenannten)
1846 – 1851 Heinrich Fröhlich aus Groß-Zimmern
1857 – 1860 August Lenz aus Eckartsborn
1860 – 1888 Heinrich Luft aus Effolderbach
1888 – 1893 Emil Moog (vorher in Neuengronau)
1893 – 1907 Adolf Lind aus Albig im Kr. Alzey
1908 – 1912 J. (?) Bach aus Stumpertenrod, er erhält am 3, Februar 1910 die Genehmigung zum Führen des Gesangvereins
1913 Schulverwalter Herrmann Noth
1912 – 1926 Adolf Dunkeberger aus Frankfurt
1927 – 1928 Rudolf Schmalz
1928 – 1938 Karl Hirchenhain aus Haingründau
1939 – 1939 Lehrer Keller
1939 – 1945 Hans Schaus
Zwischen 1945 und 1952, dem Jahr der Einweihung des 2. Schulsaals in der ehemaligen Synagoge der früheren israelitischen Kultusgemeinde, wechselten die Lehrer ständig. In diesen Jahren unterrichteten außer Hans Schaus 1946/47 und 1947-1949 die Lehrer:
1946 Bornstein
1947 Fritz Tischer und Wilfried Groß
1948 – 1958 Artur Reh
1947 – 1948 Heinrich Hempel
1955 Apel
1949 – 1955 Gustav Müller
1955 – 1956 Ludwig Bechthold
1956 – 1966 Frau Bayerer
1958 – 1969 Fritz Dönges



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