Eckartshausen - Hessen Ein Blick in unsere Dorfgeschichte Wenn man die Siedlungen des ehemaligen Gerichts Eckartshausen auf ihr Alter hin untersucht, findet man alle Stufen der wissenschaftlich ermittelten Siedlungsfolge. In vorfränkischer Zeit befanden sich in unserem Raume eine Menge Einzelhöfe. Lediglich Altwiedermus und Diebach dürften schon vor 500 n. Chr. entstanden sein. In der zweiten Siedlungsperiode gründeten die Franken im Zuge ihrer Kolonisierungsmaßnahmen (500-800).entlang der "Hohen Straße" die Orte Calbach, Eckartshausen, Himbach, Langenbergheim und Rommelhausen. Auch die Gründung von Niedernhausen, später Marienborn genannt, und Gobenhausen, das schon vor dem 30-järigen Krieg einging, fiel in diese Zeit. Hainchen entstand erst in der dritten Siedlungsperiode (1100-1300). Die Namen der Dörfer ermöglichen eine ziemlich genaue Altersbestimmung. Daß unser Gebiet schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, beweisen mehrere Funde, die bandkeramische Forscher in unserem Raum gemacht haben. Im "Ameisengrund" in der Gemarkung Eckartshausen fand man einen Grabhügel mit Knochen, Tongefäßen und Bronzeschmuck. Auch bei Langenbergheim und Himbach wurden Eisenschwerter, Bronzeringe, Urnen und andere Eisensachen gefunden. In Urkunden wird die Gemeinde Eckartshausen erstmals im Jahre 1265 unter dem Namen Heckardishusen (zu den Häusern des Eckart) erwähnt und später Eckardehusen (1306), Eckertshusen (1467) und dann Eckartshausen genannt. Sie war Sitz des gleichnamigen Gerichts Eckartshausen. Früher nannte man dieses Gericht auch Gericht Bergheim (d.i. Langenbergheim), da der Centgraf als Gerichtsherr dort einen Hof als Lehen besaß und seine Sitz in Bergheim hatte. Die Tagungen des Gerichts fanden aber laufend in Eckartshausen statt, so daß es allgemein nur Gericht Eckartshausen genannt wurde. Zu ihm gehörten die Orte Eckartshausen, Niedernhausen (ab 1286 nur noch Marienborn genannt), Himbach, Langenbergheim, Hainchen, Altwiedermuß und Gobenhausen (eingegangene Siedlung, um 1600 nur noch Wüstung). Das Gericht Eckartshausen war ein uraltes würzburgisches Lehen und gehörte bis 1258 den Herren von Büdingen. Dieses Büdinger Erbe übernahm Ludwig I. von Ysenburg (1258 - 1303). Es verblieb bei dieser Linie bis zum Jahr 1721, wurde dann von der Linie Ysenburg-Meerholz übernommen und gehörte seit 1816 zu Hessen-Darmstadt. Zum Gericht Eckartshausen gehörte auch der eingangs erwähnte Ort Niedernhausen, der nur aus mehreren Höfen bestand. Ludwig I. von Ysenburg-Büdingen schenkte den Nonnen auf dem Haag, die dort unter Wassermangel zu leiden hatten, im Jahre 1274 in Niedernhausen vier Güter unter der Bedingung, daß sie dort eine Kirche errichteten. Die wasserreiche Quelle, welche von den Klosterfrauen zu Niedernhausen gefunden wurde, gab Anlaß zu der Bezeichnung 'Fons Sanctae Mariae'. In der Nähe des ehemaligen Klosters kann man auch heute noch diese Quelle sehen. Im Jahre 1288 hieß dieser Ort Marienburnen, 1306 Mergenbronn, 1455 Mergenborn und später Marienborn. Sein Gründer, Ludwig I. von Ysenburg, stattete es mit wertvollen Privilegien, Rechten und Freiheiten aus. Durch Schenkungen des reichen Wetterauer und Frankfurter Adels wurde das Kloster bald eines der reichsten und angesehensten in der Wetterau. Im Jahre 1559 erfolgte dann die Auflösung des Klosters. Sein ganzer Besitz fiel an die Erben des Stifters, die Grafen von Ysenburg-Büdingen, zurück. Der Ertrag seiner Güter wurde fortan zu Kirchen- und Schulzwecken verwendet. Die früheren Klostergebäude dienten nunmehr als Kanzlei- und Amtshaus, als Pachtgut- und Bewirtschaftungsgebäude, bis 1673 Graf Karl August unter Benutzung eines Teils des alten Klosters hier ein Schloß errichtete und darin seinen Wohnsitz nahm. Er war der Begründer der Linie Ysenburg-Marienborn. Nach seinem Tode (1725) fiel Marienborn an die Linie Ysenburg-Meerholz. Graf Friedrich verpachtete das Schloß an den Grafen Zinzendorf, der sich 1736 hier niederließ und es zum Mittelpunkt der Herrnhuter Brüdergemeine machte, die sich seit 1730 hier und in der Nähe angesiedelt hatte. Nach der Ausweisung der Brüdergemeine vom Herrenhaag um 1750 wanderten allmählich auch die Brüder von Marienborn aus. Lange stand das Schloß leer, bis es 1890 abgebrochen wurde. Heute steht in Marienborn nur noch der von dem Grafen Karl August erbaute Gutshof und ein Teil der alten Klosterkirche, die teilweise zu einem Försterhaus umgebaut wurde. Die Kirche war ein einschiffiger Raum, der aus sechs Jochen bestand und samt dem Chor mit Kreuzgewölben überspannt war. Aus der vorhandenen Spitzbogentüre, der Form des Turmtürchens und anderen Einzelheiten kann man darauf schließen, daß die Kirche in den Jahren 1274 - 1286 erbaut wurde. Wenn man der Geschichte des Dorfes nachgeht, findet man auch drei Perioden von furchtbarer Hexenverfolgung unter den Dorfbewohnern. Die erste Periode begann im Jahre 1532 und reichte bis 1575. In dieser Zeit wurden zwei Frauen hingerichtet. Eine weitere Frau wurde in der Zeit zwischen 1576 und 1601 zum Tode verurteilt. Die furchtbarsten Auswüchse der Hexenverfolgung in dem Dorf und Gericht Eckartshausen fanden jedoch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und kurz danach statt. In dieser Zeit wurden allein vierzehn Frauen hingerichtet. Über diese Prozesse liegen genaue Protokoll-Unterlagen vor, die das ganze Ausmaß des Wahnwitzes und Irrsinns dieser Hexenverfolgung ermessen lassen. Interessanterweise wurden jedoch dabei auch von den verfolgten Frauen Aussagen gemacht, die weit in die Sagenwelt der germanischen Vorzeit reichen. So soll z. B. in der Hardeck die Frau Holle zu Hause gewesen sein, und ein Kristallseher namens Bröll wollte dort sagenhafte Dinge erlebt haben. Kein geringerer als Richard Wagner hat dieses alte deutsche Sagenthema als Vorlage für seine Opern benutzt. Thiel Brölls Fahrt in den "Venusberg" - damit meint er die Hardeck - ist somit ein Beweis für die große Tradition innerhalb der Sagenwelt des Gebiets Eckartshausen geworden. Er führt u. a. aus: Hexenverfolgung in der Grafschaft Büdingen, S. 159, ab letzter Absatz: "Da habe er sich gelegt ... bis ... allemal aufs Maul geschlagen. Wie bereits vorher erwähnt, war das Gericht Eckartshausen ein altes würzburgisches Lehen, das vermutlich schon die freien Herren von Büdingen und nach ihnen ab 1258 die Herren von Ysenburg inne hatten. In Eckartshausen war die Mutterkirche des Gerichts. Die Patronatsrechte gehörten denen von Ysenburg, wurden aber von ihnen1265 an das Kloster Haag und 1279 an das Kloster Marienborn abgetreten. Die Pfarrkirche zu Eckartshausen war dem hl. Georg geweiht und stand unter dem Archidiakonat des Marienstifts zu den Greden in Mainz. Zur Pfarrei gehörten schon damals die Gemeinden Langenbergheim, Himbach und Altwiedermuß. Seit 1832 gehört auch die Ronneburg zur Pfarrei. Die Eckartshäuser Pfarrer waren bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts Hofprediger in Marienborn und hatten alle 4 Wochen einen Gottesdienst in der dortigen Schloßkapelle zu halten. Nach der Auflösung des Klosters fiel das Patronatsrecht wieder an die Linie Ysenburg-Büdingen zurück. Im 18. Jahrhundert spielte das Kloster Marienborn in religiöser Hinsicht eine große Rolle. Um 1700 ließen sich in der Wetterau viele Glaubenflüchtlinge nieder, die sich Separatisten nannten. Dabei machten sich im Protestantismus Erneuerungsbewegungen bemerkbar. Die Separatisten hatten eine kirchenfeindliche Haltung, was zu einer Feindschaft gegenüber der beamteten Geistlichkeit führte. Dabei kamen auch Ausweisungen der ketzerischen Elemente vor. Neben den Separatisten, die sich in die Wiedertäufer und Inspirierten teilten, standen die Pietisten. Die Hauptniederlassungen der Separatisten im Ysenburg-Gebiet fand man in den Dörfern Eckartshausen, Himbach , Bergheim, Düdelsheim, Stockheim und Rohrbach. Marienborn und die Ronneburg waren ebenfalls von den Separatisten bewohnt. Die Ysenburger Grafen wollten ihre durch den Dreißigjährigen Krieg entvölkerten Landesteile wirtschaftlich wieder in die Höhe bringen und öffneten ihre Grenzen den fremden Glaubensflüchtlingen. Sie durften sich als Handwerker, Landarbeiter und Krämer niederlassen und mußten Beisassengeld bezahlen. 1708 kamen weitere Glaubensflüchtlinge aus der Pfalz und 1711 verbreitete Alexander Mack die Lehre der Neutäufer. Graf Ernst Kasimir I. von Ysenburg steckte dann die den Separatisten die Grenzen des Erlaubten ab. Er erlaubte jedem sein privates Christentum, untersagte aber die Bildung neuer Kultgemeinden und Propagierung neuer Ideen. Als später jedoch weitere Taufen stattfanden, machte ihm ein Konsistorium, dem die Pfarrer von Eckartshausen und Düdelsheim angehörten, klar, daß sie keine Religionsfreiheit zur Ausübung einer neuen Religion hätten. Daraufhin wanderten viele nach Amerika aus und verbreiteten dort ihre Lehre, die heute von etwa 200.000 Mitgliedern fortgeführt wird. Innerhalb von 3 Jahren wanderte die Brüdergemeine aus. Die kleine Kolonie Marienborn blieb bis 1773 bestehen. Im Jahre 1765 fand die letzte Synode in Marienborn statt, deren Besuch Goethe in "Dichtung und Wahrheit" erwähnt. Nach dem Abzug der Brüdergemeine tauchten noch einmal die Inspirierten in Marienborn auf. 1822 schlossen sie sich die im Kirchspiel wohnenden Reformierten mit den 117 Lutheranern zur Union zusammen. Bis 1850 wurden die Kinder der 4 Gemeinden in Eckartshausen konfirmiert. Himbach und Altwiedermuß waren bis 1820 bzw.1841 ohne eigenen Friedhof und bestatteten ihre Toten in Eckartshausen. Im Jahre 1879 konnte die jetzige, stattliche Kirche eingeweiht werden, zu deren Bau alle vier Gemeinden unter großen finanziellen Opfern beitrugen. Nach einer gründlichen Renovierung der Kirche und des Pfarrhauses wurde die Kirche im Jahre 1967 neu geweiht. Inmitten des Dorfes erhebt sich die Kirche, die 1879 aus dem heimischen Lungstein erbaut wurde. Der einzige erhaltene Baurest der früheren Pfarrkirche ist der achteckige Fuß der jetzigen Kanzel mit dem Ysenburger Wappen und der Jahreszeit 1583. Diese Kirche dürfte schon in vorreformatorischer Zeit entstanden sein. Die erste Kirche, deren Baujahr unbekannt ist, war zu einer Kirchenburg ausgebaut. Nach dem 30jährigen Krieg entstanden eine Reihe herrlicher Fachwerkhäuser, vorwiegend in der Burg-, Ober- und Untergasse. Unter ihnen zeichnet sich das frühere Seligmann-Bing'sche Haus (später Bäckerei Bube) vor den übrigen Häusern aus. Den Eingang schmückt ein hölzernes Portal. Im Bogenfeld ist zu lesen: Johann Caspar Kalkhof, den 22. Abbriel 1710. Zu den älteren , meist im 18. Jahrhundert errichteten Gebäuden des Dorfes gehört auch das Rat- und Schulhaus, das sich von den anderen Häusern nur durch sein Glockentürmchen und das steinerne Tor unterscheidet. Am Eingang zum Scheunenkeller bei Landwirt Thum war wohl die älteste eingehauene Jahreszahl zu sehen, und zwar 1515. Alle Rechte liegen beim Autor und Text wurde gefunden auf folgender Webseite: http://www.eckartshausen.de/unser_dorf/chronik.html Mehr........ http://www.langenbergheim.dike.de/Kirchengeschichte.htm |
© 2001 - 2004 Johann Loos & Angelika Loos all rights reserved Alle Rechte liegen beim Autor und alle Angaben sind ohne Gewähr |

Die zwei schwarzen Balken wurden von den Armen der Lords von Isenburg-Meerholz abgeleitet, und heute noch am örtlichen Gemeindehaus zu sehen sind, datierung von 1733. Durch ein Darlehen der Erzbischöfe von Würzburg wurden folglich die zwei Balken dann unter die Arme vom Staat Würzburg gesetzt (rot mit drei silbernen Punkten). The two black bars are derived from the arms of the Lords of Isenburg-Meerholz, whose arms can be seen on the local townhall, dating from 1733. The are was a loan of the Archbishops of Würzburg, hence the two bars were placed under the arms of the State of Würzburg (red with three silver points). Literatur : Hessisches Ortswappenbuch, 1956. |
Wappen Eckartshausen |